{"id":5846,"date":"2014-09-04T15:48:15","date_gmt":"2014-09-04T15:48:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.virtual-archive.org\/borderland\/?p=5846"},"modified":"2014-11-04T09:29:02","modified_gmt":"2014-11-04T09:29:02","slug":"sweet_wall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.virtual-archive.org\/borderland\/sweet_wall\/","title":{"rendered":"Sweet Wall"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">von Allan Kaprow<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Mancherlei Kunst mit politischen Anspielungen versucht einen sozialen Wandel so direkt und so schnell als m\u00f6glich hervorzubringen. Die Themen sind dabei oft plump und die moralischen Optionen offensichtlich.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Es gibt aber auch Beispiele, bei denen der politische Inhalt der Kunst in einer Metapher aufscheint, die auf ein bereits erwachtes Bewusstsein anspielt. Diese Art der Politik ist implizit und in komplexe Bez\u00fcge menschlicher und kultureller Bedeutung eingebettet. Allerdings nimmt auch diese Kunst an, einen positiven Effekt auf die Gesellschaft zu haben; sie beschreibt nur einfach nicht im Detail wie und wann.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Beide Arten von Kunst m\u00f6gen f\u00fcr die Welt wertvoll sein, sie sprechen aber zwei sehr unterschiedliche Arten von Konsumenten an: den Aktivisten und den Intellektuellen. In ihren Extremen sind beide nat\u00fcrlich Klischees, aber es gibt tats\u00e4chlich intelligente Aktivisten und leidenschaftlich engagierte Intellektuelle. Der eine verpflichtet sich kurzfristigen Zielen, der andere den langfristigen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Wenn man sechs Jahre zur\u00fcck blickt, dann beinhaltete &#8222;Sweet Wall&#8220; eine ironische Politik. Sie ist eine Parodie. Sie ist f\u00fcr eine kleine Gruppe an Kollegen gedacht, welche den Humor und die Traurigkeit des politischen Lebens wertsch\u00e4tzen k\u00f6nnen; sie ist f\u00fcr jene, die nicht politisch gleichg\u00fcltig bleiben k\u00f6nnen aber wissen, dass mit jeder politischen L\u00f6sung auch mindestens zehn neue Probleme einhergehen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">&#8222;Sweet Wall&#8220; existierte freistehend. Sie umfasste nichts, trennte niemanden. Sie wurde in einer ver\u00f6deten Gegend nahe der Berliner Mauer gebaut. Die richtige Mauer hat sich gegen die Stadt abgegrenzt. &#8222;Sweet Wall&#8220; wurde innerhalb von Stunden aufgebaut und dann spielerisch von ihren Erbauern abgerissen. Die Berliner Mauer wurde der Unbezwingbarkeit willen erbaut und wird so lange stehen, bis entweder ein Krieg oder der politische Akt einer folgenden Generation sie beseitigt. Die Steine der &#8222;Sweet Wall&#8220; wurden mit frischem Brot und Marmelade zusammen gehalten (ein versteckter Hinweis auf die biblischen Israeliten), wohingegen jene der Berliner Mauer durch Zement verbunden waren.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Als Parodie stellte &#8222;Sweet Wall&#8220; eine Idee \u00fcber die Mauer dar. Die Berliner Mauer selbst war auch eine Idee: sie fasste in einem einzelnen mittelalterlichen Bild die ideologische Spaltung Europas zusammen. Sie beeintr\u00e4chtigte aber auch direkt das Leben von mehr als drei Millionen Einwohnern, mindestens sechs Regierungen sowie unz\u00e4hligen Nicht-Berlinern, die zu irgendeinem Zeitpunkt in das Leben dieser Stadt involviert waren.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Als Idee f\u00fcr eine Handvoll Menschen konnte &#8222;Sweet Wall&#8220; ohne ernsthafte Konsequenzen im Geiste durchgespielt werden. Wie die Mauer mit ihrem Brot und Marmelade, konnten Symbole willk\u00fcrlich produziert und ausradiert werden. Die Teilnehmenden konnten \u00fcber den praktischen Wert dieser Freiheit f\u00fcr sich und andere nachdenken. Darin lag ihre S\u00fc\u00dfe und Ironie. Das Ereignis wurde im November 1970 von der Galerie Rene Block gef\u00f6rdert.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.editionblock.de\/arbeit_de.php?a_id=73&amp;g_id=2\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #c0c0c0;\">Allan Kaprow in Sweet Wall Testimonials<\/span><\/a>, Galerie Rene Block 1976<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">SWEET WALL, BRD 1970, K: K.P. Brehmer, 4\u2032 BetaSP am Samstag den 1.11.2014 um 18.00 Uhr<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Allan Kaprow Mancherlei Kunst mit politischen Anspielungen versucht einen sozialen Wandel so direkt und so schnell als m\u00f6glich hervorzubringen. Die Themen sind dabei oft plump und die moralischen Optionen offensichtlich. 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