{"id":5844,"date":"2014-09-04T15:42:55","date_gmt":"2014-09-04T15:42:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.virtual-archive.org\/borderland\/?p=5844"},"modified":"2014-11-04T09:46:33","modified_gmt":"2014-11-04T09:46:33","slug":"something","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.virtual-archive.org\/borderland\/something\/","title":{"rendered":"Anmerkungen mit Blick auf die Mauer"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"John Runnings in SOMETHING TO DO WITH THE WALL, USA 1991, R. Ross McElwee &amp; Marilyn Levine\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/110001252?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"625\" height=\"500\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write; encrypted-media; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\"><\/iframe><\/p>\n<p><span style=\"color: #c0c0c0;\"><a href=\"http:\/\/www.virtual-archive.org\/borderland\/filmprogramm\/something-to-do-with-the-wall\/\">Something to Do with the Wall<\/a> am 31.10. um 20.00 Uhr im Zeughauskino<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">von Ross McElwee<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Im Februar 1986 gingen meine Freundin Marilyn Levine und ich zum ersten Mal nach Berlin. Ich war eingeladen meinen Film\u00a0<\/span><\/strong><a href=\"http:\/\/rossmcelwee.com\/shermansmarch.html\" target=\"_blank\"><em><span style=\"color: #c0c0c0;\">Shermans March<\/span><\/em><\/a><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\"> beim Berliner Filmfestival vorzuf\u00fchren und wir ertappten uns dann beim Versuch, so viele Filme wie m\u00f6glich zu sehen, wobei wir andere Filmemacher trafen und einige gro\u00dfartige Parties besuchten. Das Nachtleben in Berlin war tats\u00e4chlich so elektrisch, wie wir immer geh\u00f6rt hatten und wir verbrachten eine wundervolle Zeit. Aber nach einer Woche wollten wir auf einmal etwas von der Stadt selbst sehen. Das Festival stellte uns ein Auto und einen Fahrer und jemand meinte, wir sollten auf jeden Fall die Berliner Mauer sehen. Die Mauer wurde 1961, in meiner Kindheit, gebaut\u00a0und war das grundlegende Monument des Kalten Kriegs dieser \u00c4ra &#8211; ein Pulverfass zwischen den USA und Russland, welches die M\u00f6glichkeit eines nuklearen Armageddon f\u00fcr jeden damals Lebenden sehr realistisch erscheinen lie\u00df. Seit ich in Berlin war, hatte ich nicht viel \u00fcber die Mauer nachgedacht &#8211; ich war vom Filmfestival zu geblendet und abgelenkt &#8211; aber als ich sie dann zum ersten Mal durch die schneebedeckte Stadtlandschaft kriechen sah, mit ihren kreischend hellen Graffiti, war ich ziemlich erstaunt. Wie es wohl war neben diesem Ding zu leben, was ja viele Menschen offensichtlich taten? Sie war zum Elefant im Raum geworden, den jeder ignorieren wollte. Und der Elefant war schon seit fast einem viertel Jahrhundert da. In der Tat stand der 25. Jahrestag ihrer Bebauung im August bevor. W\u00fcrde zur Jahresfeier irgendetwas passieren? So viele Menschen waren beim Versuch die Mauer zu erklimmen gestorben &#8211; erschossen von den kommunistischen Wachen Ostdeutschlands, als sie versuchten, nach West-Berlin zu fliehen. W\u00fcrde es Proteste geben? Oder w\u00fcrde das Leben einfach so wie in den letzten 25 Jahren weitergehen. Mir schien, es lie\u00dfe sich ein interessanter Film machen, wenn man eine einzelne Nachbarschaft entlang der Mauer ausw\u00e4hlen und dort einen Monat vor der Jahresfeier filmen w\u00fcrde. Ich f\u00fchlte mich ein wenig unbehaglich dabei, einen Film in einer Kultur zu drehen, deren Sprache ich nicht kannte, aber indem ich den Checkpoint Charlie als Drehort ausw\u00e4hlte, wo es amerikanische Bedienstete und Touristen gab, f\u00fchlte ich mich etwas mehr zuhause. Der Checkpoint war nicht nur ein Schnittpunkt zwischen Ost- und West-Berlin, sondern auch zwischen deutscher und amerikanischer Kultur. Ich schnorrte mir genug F\u00f6rdergelder zusammen, um im folgenden Juni nach Berlin zur\u00fcckzukehren. Marilyn und ich haben dann sechs Wochen lang jeden Tag im Checkpoint Charlie-Areal der Mauer gefilmt.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Nach den Feierlichkeiten im August kehrten wir in die USA zur\u00fcck und begannen mit dem Schneiden. Viele andere Ereignisse dr\u00e4ngten sich bald in unser pers\u00f6nliches Leben &#8211; genauer, unsere Entscheidung, zu heiraten, der Tod meines Vaters, die Geburt unseres ersten Kindes, der Drehbeginn eines anderen Films und Lehrverpflichtungen. Wir hatten keine wirkliche Deadline um den Mauer-Film zu beenden und nachdem die Mauer offensichtlich nicht einfach verschwinden w\u00fcrde, arbeiteten wir \u00fcber die n\u00e4chsten zwei Jahre hinweg dann und wann an dem Film. Wie einer der Menschen die wir am Checkpoint Charlie interviewten gesagt hatte: <\/span><\/strong><span style=\"color: #c0c0c0;\"><em>&#8222;Ich hab gesehen, wie die Mauer vor 25 Jahren hochgezogen wurde und ich habe keinen Zweifel, dass sie auch in 25 Jahren noch da sein wird.&#8220;<\/em><\/span><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">Das war sicherlich das, was auch der Gro\u00dfteil der Welt im Bezug auf die Berliner Mauer und das nukleare Patt zwischen Russland und den USA f\u00fchlte.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Aber als der sowjetische Premierminister Gorbatschow anfing, die Strenge des Kommunismus zu lockern und die Proteste in Ostdeutschlands zunahmen, wurde Marilyn und mir klar, dass wir den Film zu Ende bringen mussten, weil die Mauer pl\u00f6tzlich wieder ein Thema geworden war. Wir bannten drei Tage vor dem pl\u00f6tzlichen Abriss der Mauer durch Protestierende auf Film. Ich rief den Negativcutter an und sagte ihm, dass er das Negativ nicht schneiden solle. Zusammen mit unserem zehn Monate alten Sohn und meiner Schwiegermutter als Babysitter nahmen wir ein Flugzeug nach Berlin und filmten die Hochstimmung und \u00c4ngstlichkeit im Zuge des Falls der Mauer.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Unsere Freunden in Boston hatten Spa\u00df daran, einen Witz \u00fcber uns zu erz\u00e4hlen:<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\"> Frage: <em>Wer sind die einzigen drei Menschen in der Welt, die \u00fcber den Fall der Mauer traurig sind?<\/em><\/span><\/strong><br \/>\n<strong> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Antwort: <em>Der F\u00fchrer der ostdeutschen kommunistischen Partei, Erich Honecker, Ross und Marilyn.<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\"> Aber tats\u00e4chlich waren wir begeistert, dass wir die Chance hatten dieses bedeutsame Ereignis zu filmen und als unerwarteten &#8222;Teil 2&#8220; in den Film einzubauen, den wir dachten gemacht zu haben.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #c0c0c0;\">\u00dcbersetzung: Julia Schell<\/span><\/strong><br \/>\n<strong> <span style=\"color: #c0c0c0;\">Quelle:\u00a0<a href=\"http:\/\/rossmcelwee.com\/somethingtodowiththewall.html\" target=\"_blank\">http:\/\/rossmcelwee.com\/somethingtodowiththewall.html<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Something to Do with the Wall am 31.10. um 20.00 Uhr im Zeughauskino von Ross McElwee Im Februar 1986 gingen meine Freundin Marilyn Levine und ich zum ersten Mal nach Berlin. 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